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Erziehung: Liebe, Regeln und Lektionen
Lektion: Benehmt euch und gehorcht!

by Andre.nalin

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Copyright on this story text belongs at all times to the original author only, whether stated explicitly in the text or not. The original date of posting to the MMSA was: 28 Apr 2018


Deine rechte Hand schlägt das Kind,

deine linke aber drückt es ans Herz.

Aus Afrika

 

Lektion: Benehmt euch und gehorcht!

 

Vater

 

Kurz vor Mittag am nächsten Tag stand sie vor der Tür. Die Dame vom Jugendamt.

Guten Tag, Herr Strahler, es geht um Frank, Frank Gerber. Darf ich hereinkommen?

Ja, kommen Sie.

Seine Eltern, von denen ich grad komme, sagten mir, dass Sie die Pflegschaft für den Jungen übernehmen wollen? Vorher sind noch einige Fragen zu klären. Sie leben allein? Ohne Frau? Wer soll auf den Jungen aufpassen? Wie lange kennen Sie Frank?

Sie hatte ihre Akte hervorgeholt und auf dem Couchtisch ausgebreitet, einen Kugelschreiber gezückt und wollte einen ellenlangen Fragebogen ausfüllen.

Äh, nein, wie kommen Sie darauf?

Was ’nein’? Sie leben mit einer Frau zusammen? Unehelich?

Sie sah mich entsetzt an. Kam sie auf dem letzten Jahrhundert?

Äh, nein. Mal langsam. Nein, ich lebe hier mit meinem Sohn zusammen.

Wie alt?

Fünfzehn!

Wieder sah sie mich seltsam an.

Also, ich glaube dass mit der Pflegschaft für Frank sollten wir erstmal vergessen. Ich werde ihn noch heute Nachmittag ins Heim bringen. Da ist er gut und zuverlässig untergebracht. Guten Tag!

Moment, bitte Frau Anima, so war doch ihr Name? Darf ich Ihnen einen Kaffee anbieten?

Auf einmal wurde mir klar, wie sehr die Karre schon im Dreck stand und wie wichtig Frau Anima war.

Ich zeigte mich von meiner allerbesten Seite, zeigte ihr die Kinderzimmer, schwärmte von Frank in den höchsten Tönen und ein Heimaufenthalt würde den sensiblen Jungen endgültig auf die schiefe Bahn bringen und das wäre doch viel teurer, als wenn ich für ihn sorgen würde.

Puh, ich erkannte, wie sehr mir der Bub in den paar Stunden ans Herz gewachsen war und ich erinnerte mich an mein Versprechen, dass ich ihm gegeben hatte. Er würde andernfalls erneut Vertrauen in die Erwachsenenwelt verlieren und auch Michael würde meinen Versprechungen weniger Vertrauen schenken, dabei brauchten die beiden Jungs genau das: Zuverlässigkeit!

Ich kämpfte wie eine Löwin um ihre Jungen. Nach zwei Stunden gab sie sich endlich geschlagen:

Gut Herr Strahler, mit erheblichen Bauchschmerzen und um den Jungen eine aller-, allerletzte Chance außerhalb eines Heimes zu geben, werden wir es probeweise für drei Monate versuchen. Ich werde wöchentlich vorbeikommen und mich erkundigen, wie es dem Buben geht.

Ich war fix und fertig und doch erleichtert, dass ich mein Wort hatte halten können und Frank das Heim erspart bliebe, zumindest vorläufig.

Dabei hatte ich das so nicht gewollt, sondern Franks Eltern und die Frau Anima hatten mir keine Wahl gelassen. Jetzt hatte ich die Verantwortung für zwei Rumstromer. Würde das gut gehen? Mein eigener Sohn, der mir immer noch so unbekannt war und nun noch ein fremder Junge, den ich liebgewonnen hatte. Was bedeutete das schon. Selbstzweifel nagten an mir.

 

Michael

 

Hi Paps, da sind wir, strahlte ich ihn an. Na klar kamen wir aus der Schule und hatten uns auf dem Rückweg über doofe Mädchen und geile Puppen unterhalten. Es war so schön, einen Freund zu haben, einen Freund, mit dem man nicht Scheiße bauen musste, um sich Geld zu besorgen und ein Zuhause, bei dem man keine Angst zu haben brauchte, vor dem was einen hinter der Tür erwartete.

Was, was ist passiert? stotterte ich, als ich sein bleiches Gesicht sah.

Vater, bist du krank?

Er lächelte uns beruhigend an. Aber er sah angestrengt aus.

Kommt rein Jungs. Ihr habt sicher einen Bärenhunger. Ich hab vier Portionen Spagetti gekocht. Zu mehr hatte ich heute leider keine Zeit.

Dad, was ist? Ich machte mir Sorgen. War es doch nur ein Traum gewesen und brach die Scheinwelt gerade zusammen? Wundern täte es mich nicht.

Nun setzt euch und esst und ich erzähle, wer mich besucht hat.

Er sah Frank an, der sofort erbleichte. Er verschluckte sich an den Spagetti und hustete alles über den Tisch.

Wir klopften ihm auf den Rücken und beruhigten ihn.

Frau, äh, wie heißt die Ziege, Anämie oder Zimtzicke.

Frank! rüffelte ich ihn, so solltest du nicht über Frau Anima sprechen! Immerhin..., ich unterbrach mich und sah ihn erwartungsvoll an. Ich wollte es ein wenig spannend machen: Stopf dir grad keine Nudeln in den Mund, sonst müssen wir womöglich den Notarzt rufen, weil du einen Erstickungsanfall hast und es wäre doch schade um dich!

Frank hatte kapiert: Bleich, ängstlich sah er Dad an. Die Spannung war unerträglich.

Dad, was wollte die Frau? Darf Frank hier wohnen?

Die beiden schienen die Sprache verloren zu haben. Sie starrten sich an. Frank ängstlich, wie ein junges Tier, das von seiner Mutter getrennt wird und sich am liebsten in die hinterste Ecke verkriechen möchte. Papa ganz ernst und doch so liebevoll. So, so hat er mich angesehen, als wir uns das erste Mal im Kinderheim begegnet waren. Da ging mir ein Licht auf:

Ich habe einen Bruder! Frank, du bist mein Bruder!

Ich sprang auf, riss ihn von seinem Stuhl und tanzte mit ihm in der Küche.

Hab ich davon was gesagt? brummte Dad, als wolle er Wasser in den Wein gießen.

Frank, komm her ich möchte dich in den Arm nehmen.

Frank liefen die Tränen. Ganz fest umarmten sie sich. Ich sah an Franks Schultern, dass er schluchzte. Fest hielten sie sich und ließen sich nicht mehr los. Ich wurde eifersüchtig und umarmte sie beide. Papa öffnete seinen Arm und nahm mich mit in die Umarmung. So wohlig warm wurde mir ums Herz. Beschützt und behütet von diesem starken Mann und – ich hatte einen Bruder! Mein Herz jubelte. Ich würde mit Frank spielen können und Hausaufgaben machen und – hatte Papa nicht gesagt, ich sollte auf ihn aufpassen – und ihm die Regeln beibringen?

Meine Stimmung sank auf den Nullpunkt und ich löste mich.

Ich hab Hunger. Ich esse jetzt. Die Nudeln sind schon ganz kalt.

 

Frank

 

Ich konnte es gar nicht glauben. Von einer Sekunde zur anderen änderte sich mein Leben radikal. Ich hatte auf einmal einen Vater und einen Bruder! Ok, kein richtiger Vater und keinen richtigen Bruder. Aber er würde sich um mich kümmern, als ob er mein richtiger Vater wäre, und ja hatte er das nicht schon bewiesen, weil er sein Versprechen gehalten hatte und mich vor dem Jugendheim bewahrt hatte. Ein toller Mann! Ich umarmte ihn ganz, ganz fest. Ich war so unendlich glücklich. Ich würde jeden Tag zu essen bekommen, so viel ich wollte, frische Wäsche, sauberes Geschirr und ein sauberes Zimmer und Michael. Keinen verrückten und stinkenden besoffenen Kerl, der mich anschrie und verprügelte wenn das Bier alle war. Brrrr, schon der Gedanke an mein Zuhause ließ mich schaudern.

 

Regeln. Der Mann, äh mein neuer Vater und Michael haben was von Regeln gesagt, die ich mit dem Kopf lernen sollte, sonst würde er es mir auf meinem Hintern erklären. Naja, ok, wie das gemeint war, hatte ich ja schon erfahren. Würde ich wohl akzeptieren müssen. Wie heißt es doch: Keine Rosen ohne Dornen, oder wo Licht ist, ist auch Schatten. Alles hat eine Kehrseite. Ich rieb grinsend meine. Ich würde schon aufpassen, dass sie nicht allzu viel abbekäme.

 

Michael, weißt du noch, was wir an deinem ersten Tag in deinem neuen Zuhause gemacht haben?

Begeistert sah der Mann seinen Sohn an. Michael dachte kurz nach, dann fiel es ihm wieder ein und sein Gesicht verzog sich gelangweilt.

Papi, wir haben für mich Klamotten gekauft.

Stimmt, mein neuer Vater strahlte. Ich sah, dass er sich darauf freute, mich einzukleiden. Michael schien wenig begeistert.

Dann los, ab ins Auto ihr Rabauken.

Ja, er war bester Laune. Auf der Fahrt in die Stadt lachten und alberten Michael und ich auf der Rückbank. Die neue Situation war für uns beide einfach nur überwältigend und wir konnten unser Glück nicht anders ausdrücken als überschwänglich und ausgelassen herum zu albern. Im Kaufhaus probierte ich Jeans und T-Shirt, Sportschuhe und Hoodies.

Michael streunte gelangweilt herum und nervte.

Michael, benimm dich! Füße vom Sessel. Michael lass die Drehständer, die sind nicht zum Spielen.

Allmählich verlor der Mann die Geduld. Auch ich hatte keine Lust mehr auf noch mehr Anproben, anziehen und ausziehen und er ermahnte mich:

Frank was ist nun, passen die Schuhe? Gefallen sie dir?

Man, ehrlich, wie wichtig sind Schuhe? Es war mir völlig gleichgültig. Ich zuckte hilflos mit den Schultern. Die Antwort gefiel ihm nicht.

Kommt nach Hause, brach er unwirsch die Einkaufstour ab. Lustig und fröhlich rannten wir im Kaufhaus Richtung Tiefgarage wie junge Hunde vor und zurück, kreuz und quer.

Werdet ihr jetzt endlich mal mit der Rennerei aufhören und nicht mehr die Leute anrempeln, ihr benehmt euch ja wie ungezogene unartige Vorschüler.

Irgendwie sagte er es so komisch, dass Michael albern losprustete und ich musste über Michael grinsen. Plötzlich standen wir drei doch wieder vor unserem Auto. Aber statt aufzuschließen und uns einsteigen zu lassen, lächelte er uns freundlich an und sagte:

Na, ihr Kleinen, so können wir ja nicht fahren, da verursache ich ja womöglich einen Unfall mit so einem Sack Flöhe auf der Rückbank. Da werde ich wohl erstmal euren Brötchen einheizen müssen, damit euer Mütchen abkühlt. Zieht blank!

So verklausuliert er gesprochen hatte, verstand ich doch, was er gesagt hatte.

Hier? Papa? Jetzt? Bitte nicht hier. Es könnten uns doch welche sehen.

Michael hatte auch sofort kapiert und versuchte unsere Haut zu retten.

Papi, ehrlich, wir sind ganz brav auf der Rückfahrt und zuhause kannst du uns vertrimmen so doll du willst.

Ich rieb mir den Po.

Jetzt gibt es eh nur die Vorspeise. Die heißen Brötchen halt. Zuhause gibt’s dann den Rest, sagte er beruhigend und hatte schon den Gürtel in der Hand.

Nun los, Jungs, Hosen runter und legt euch dort über den Kühler.

Zwecklos. Wir hatten verstanden und zogen widerstrebend blank. Jetzt wurde uns auf einmal deutlich, dass wir uns wirklich kleinkindhaft verhalten hatten. Aber doch vor Glück! Ergeben lagen wir neben einander mit herunter gelassenen Hosen, präsentierten wir zwei jugendliche, oder doch, – kindliche? – Jungenärsche. Das gäbe ein Foto! Und das für Werbezwecke würde bestimmt die Verkaufszahlen erhöhen.

Bevor ich grinsen konnte, hörte ich den Knall des Lederriemens auf nacktem Fleisch durch das Parkhaus hallen und spürte das Brennen.

Auiiiii, jaulten wir beide. Motoren brummten in anderen Etagen.

Knall! Wie Peitschenknall übertönte der Gürtel das Brummen.

Das ist ja unerhört! Da versohlt einer seine Buben. Hier! Öffentlich im Parkhaus!

Knall! Der dritte Schlag zwiebelte auf meiner Rückseite und heizte meinen Brötchen ein, wie es der Mann wohl nennen würde.

Auuuu, heulten wir gemeinsam. Auch das echote durch den Keller.

Anzeigen müsste man den. Dem Jugendamt melden!

Ein Schreck durchfuhr mich. Erschrocken drehte ich mich um und suchte den Blickkontakt zu meinem neuen Vater. Ich sah, dass auch ihm der Schreck in die Glieder gefahren war.

Einen noch, flüsterte er und zog durch.

Knall! Anziehen und nix wie weg.

Wie der Blitz saßen wir im Auto und er duckte sich hinterm Steuer und fuhr zügig aus dem Parkhaus. Erst einige Straßen weiter atmete er erleichtert tief durch. Wir saßen auf der Rückbank und grinsten still vor uns hin. Unsere Brötchen waren bestenfalls angewärmt. Trotzdem verhielten wir uns jetzt ganz still, denn wir wussten ja, dass er unseren Hintern zu Hause grillen würde, bis wir gar waren. Irgendwie hatte ich keine Angst. Ich fand es lustig. Auch Michael schien es überhaupt nichts auszumachen. Wir hatten die Abreibung verdient, das hatten wir längst eingesehen.

 

Tja, und dann war es soweit. Wir hatten gemütlich zu Abend gegessen, es war lecker und reichlich. Lasagne. Hmmm, köstlich. Dann hatten wir meine neue Kleidung und Wäsche im Kleiderschrank untergebracht. Zum Glück war Michaels Schrank groß genug. Dann bezog er mir noch meine Zudecke. Ich würde vorläufig mit in Michaels Bett schlafen. Er gab mir eine Zahnbürste und zeigte mir, wo ich alles im Bad finden konnte. Ach Dad, so verwöhnt und liebevoll umsorgt wurde ich noch nie. Dann mussten wir uns ausziehen und duschen, genauso, wie beim letzten Mal. Nein, ich schämte mich längst nicht mehr. Michaels und meine Stimmung waren ziemlich gedämpft, aber zufrieden.

Ach, das war so wohltuend von dem Mann mit dem großen Badetuch in Empfang genommen und umhüllt zu werden. Er drückte mich an sich, ich roch sein Rasierwasser, das so betörend exotisch und vertraut roch. Tief atmete ich es ein. Er rubbelte mir die Haare und über das Gesicht. Ich kann nicht sagen, wann ich mich das letzte Mal so behütet und liebevoll umsorgt gefühlt habe. Er gab mir einen Kuss auf die Stirn. Es zerriss mir fast das Herz. Der Mann liebte mich, wie seinen eigenen Sohn. Michael war schon vorgegangen. Er begleitete mich ins Jungenzimmer, gab mir den neuen Schlafanzug und sagte schelmisch: Noch nicht anziehen, erst gibt’s Haue.

Er gab mir einen leichten Klaps auf den Po und scheuchte mich die Treppe hinunter. Er setzte sich in die Mitte des Sofas und lächelte:

Kommt her meine Kinder.

Er schob uns Nackedeis nebeneinander, das wir uns an den Hüften berührten und mit den Beinen fast an seine Knie kamen.

Jetzt kann ich eurem Hintern in Ruhe die Regeln beibringen, die euer Kindskopf sich noch nicht merken konnte.

Er klatschte leicht an die Poseiten.

Pupsi, welche Regeln sollen eure Brötchen heute lernen?

Michael errötete. Wahrscheinlich mochte er diesen Kosenamen überhaupt nicht. Ich gluckste und schlug mir mit der Hand auf den Mund. Ein vernichtender Blick traf mich von ihm. Na, so romantisch würde unser Brüderschaft wohl doch nicht verlaufen.

Äh, dass wir artig sein müssen. Dass wir dir gehorchen müssen, dass wir ...

Strulli, fällt dir noch was ein?

Jetzt war es an mir, knallrot anzulaufen. Strulli, das war ja noch gemeiner als Pupsi.

Ich, ich bin kein – Strulli, wagte ich, mich zu wehren.

Ach Frank, zumindest habt ihr beide euch heute so benommen wie Pupsi und Strulli. Ich hoffe nur, dass ihr schnell älter werdet und ich nicht noch Pampers für euch anschaffen muss.

Er zwinkerte mir zu, als hätte er es nicht ernst gemeint. Ich traue ihm zu, dass er das wahr macht. Ich schluckte. Was für ein seltsamer Mann. Trotzdem mochte ich ihn, weil, weil er mich mochte, ja, ich war mir sicher, weil er mich liebte! Ich schluckte einen Kloß hinunter und spürte, dass meine Augen feucht wurden. Hoffentlich verstand er das jetzt nicht falsch.

Ach Strulli, wenn du groß bist, dich also wie ein Vierzehnjähriger benimmst, dann bist du auch mein Frank. Mein lieber Frank. Versprochen!

Seltsam, verständnisvoll und liebevoll sah er mich an. Da ich nicht antwortete, fragte er nochmal:

Nun Strulli, was meinst du, was soll dein Popo heute noch lernen?

Plötzlich war ich völlig von der Rolle. Ich spürte, dass ich den Tränen nahe war. Meine Unterlippe zitterte. Ich konnte und wollte nicht antworten. Der Mann lächelte unverändert sein Sonnengesicht:

Strulli, ich möchte dass du mit Hilfe deines Pos lernst, dass das Kaufhaus kein Spielplatz ist, wo du rumtoben kannst. Ich möchte, dass du lernst, mir auf Fragen zu antworten.

Er sah uns beide an.

Es wird Zeit für die Lektion. Legt euch wie letztes Mal dort über die S