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Fröhliche Weihnachten 2017
Schnacks und Blim und das Flugpulver

by Black_Sheep

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Copyright on this story text belongs at all times to the original author only, whether stated explicitly in the text or not. The original date of posting to the MMSA was: 06 Dec 2017


Weihnachten nahte und am Nordpol – Wohn– und Wirkungsstätte des Weihnachtsmanns – herrschte reger Betrieb. Die letzten Geschenke wurden gefertigt, verpackt und verladen, Wunschzettel abgeglichen und abgehakt.

Gebt nun gut acht, ihr zwei, sprach Stallmeister Drubbel zu den beiden jungen Elflingen Schnacks und Blim, die ihm als Helfer zugeteilt worden waren. Sie waren helle Köpfchen, umgänglich, und konnten gut mitanpacken, nur leider hatten sie oftmals zu viele Flausen im Kopf, wie Heranwachsende nun einmal waren. Ich zeige euch jetzt, wie man das Futter für die Rentiere anmischt.

Der ältere Elf strich sich die an den Schläfen leicht ergrauten Locken hinter die spitzen Ohren, wie es seine Angewohnheit war, und legte grobe Jutebeutel auf dem Tisch zurecht. Zwei Säcke standen davor. Einer enthielt Kraftfutter für Rentiere, der andere gold und silbern funkelndes Pulver. Es war etwas ganz Besonderes, kompliziert in der Herstellung und teuer dazu. Es verströmte allein beim bloßen Hinsehen seine Magie. Die Jungen konnten kaum ihre vor Staunen weit aufgerissenen Augen davon abwenden. Drubbel nahm zwei Schüsseln und hielt sie den Elflingen vor die Stupsnasen.

Mit der einen hier entnehmt ihr Futter aus diesem Sack. Eine gestrichene Schüssel voll gleich eine Portion. Mit der anderen nehmt ihr aus dem anderen Sack das Flugpulver. Beides kippt ihr zusammen in einen Beutel, schnürt ihn gut zu und schüttelt ihn etwas, damit sich Futter und Flugpulver vermischen. Das wird dann auch auf den Schlitten verladen. Die Rene müssen die Nacht über immer mal wieder kleine Portionen bekommen damit sie fliegen können, sozusagen nachtanken. Die Wirkung des Pulvers hält ja leider nicht so lange an. Falls etwas übrig bleibt, verladet es gleich mit – für den Fall der Fälle.

Drubbel zeigte den jungen Elfen wie man das Futter richtig mischte und ließ es dann Schnacks und Blim versuchen, die sich recht geschickt anstellten. Der Stallmeister entschied, dass er die Jungen ruhigen Gewissens allein lassen und sich derweil anderen Pflichten widmen konnte. Das ging sogar tatsächlich gut. Die Elflinge waren emsig bei der Arbeit und stolz darauf, dass sie mit so einer wichtigen Aufgabe betraut worden waren. Hin und wieder kam der Meister bei ihnen vorbei und überprüfte ihre Arbeit. Stets lobte er sie dann, lächelte zufrieden und wuschelte über ihre Köpfe, sodass ihre Mützen danach ganz schief auf ihren Köpfen saßen und sie sie wieder zurechtzupfen mussten.

Ich frage mich ja, ob dieses Flugpulver auch bei uns funktioniert, sinnierte Schnacks, als der Großteil der Säcke geleert war, und tippte sich mit dem Zeigefinger an die Stupsnase. Hast du es schon mal probiert?

Nein, antwortete Blim, aber es muss toll sein, fliegen zu können. Die Rene sind zu beneiden.

Schnacks stimmte zu und für ein paar Momente arbeiteten die Jungen stumm weiter.

Wollen wir es versuchen?, fragte Schnacks da leise, als er gerade Flugpulver aus dem Schälchen in einen der Portionsbeutel schüttete. Wir könnten uns eine kleine Menge abzwacken. Das fällt bestimmt nicht auf.

Blim war begeistert von dem Vorschlag. Damit war die Sache abgemacht. Sie arbeiteten zuende und von dem Rest des Flugpulvers schaufelten sie einen Teil für sich in einen Jutebeutel. Dann machten sie sich daran, die Futterrationen für die Rentiere auf den Schlitten zu verladen, genau wie es Stallmeister Drubbel angeordnet hatte.

Endlich war auch diese Arbeit verrichtet und so stahlen sich die beiden Elflinge heimlich aus dem Stall, den Beutel mit dem Flugpulver hielt Blim unter seiner Weste versteckt. Sie stapften durch den Schnee auf das freie Feld gleich hinter dem Stall. Beide nahmen eine Handvoll Pulver und hielten es sich vors Gesicht, so dass ihre Nasenspitzen es fast berührten. Das magische Funkeln spiegelte sich in ihren Augen wider und ließ ihre Wangen golden schimmern.

Gleichzeitig – bei Drei, ja? Eins, zwei, zweieinhalb, zweidreiviertel, drei!, zählte Schnacks und stopfte sich das Glitzerpulver genau im selben Moment wie Blim in den Mund.

Schmeckt irgendwie nach gar nichts, aber es knistert lustig im Mund, bemerkte Blim und kicherte. Auch Schnacks war vergnügt, doch als ihre Füße plötzlich vom Erdboden abhoben, da wurde ihnen doch etwas anders zumute. Ihre Mägen fühlten sich an, als würden Heerscharen kleiner, geflügelter Pixies darin herumflattern. Ihre Augen und Münder öffneten sich vor bangem Staunen und sie fuchtelten wild mit den Armen um ihr Gleichgewicht wiederzufinden.

Allmählich bekamen sie jedoch den Dreh heraus und schwebten bäuchlings hoch droben in der Luft. Vorsichtshalber, damit sie sich nicht verlieren konnten, hielten sie sich an den Händen gefasst. Wie wunderschön die Landschaft von hier oben aussah. Die wie mit Puderzucker bestreuten Tannen, eine Herde Rentiere – aus dieser Entfernung klein wie Käfer, und dort ihr Zuhause, groß wie ein Schloss und doch so heimelig. Immer wieder entdeckten die beiden jungen Nordpolelfen etwas und zeigten es sich gegenseitig, indem sie mit ihren Fingern darauf deuteten. Wie aufregend und schön doch das Fliegen war!

Mit der Zeit wurden sie wagemutiger und probierten Kunststücke in der Luft. Bald entwickelte sich ein kleiner, kameradschaftlicher Wettstreit wer die meisten Purzelbäume hintereinander schlagen konnte. Da waren manchmal so lustige Verrenkungen und missglückte Versuche dabei, dass sich die Jungen gegenseitig damit aufzogen und aus vollem Hals lachten.

Es dämmerte bereits, da entdeckten die Elfinge ein seltsames Flugobjekt in der Ferne. Mit zusammengekniffenen Augen erkannten sie schließlich, dass es der Schlitten des Weihnachtsmanns war. Er hatte sich nun also auf den Weg gemacht um an diesem Abend und in der Nacht all die vielen Geschenke an die Menschenkinder zu verteilen. (Sie hatten von den großen Elfen gehört, dass er diesmal sogar einem schwarzen Schaf eins bringen wollte. Doch noch überlegte er wohl, ob er ihm zuerst die Rute geben sollte bevor er es mit dem Geschenk überraschte. Aber dies ist eine andere Geschichte und der Ausgang ist ungewiss.)

Der Weihnachtsmann! Jetzt schon? So ein Pech – da haben wir wohl den Start verpasst. Da hatte ich so gern dabei sein wollen!, ärgerte sich Schnacks und Blim ging es nicht anders.

Der Schlitten rauschte in einiger Entfernung vorbei. Die gold-silberne Glitzerspur, die er hinter sich herzog, verblasste noch beim Hinsehen. Soweit sie es beurteilen konnten, hatte der Weihnachtsmann sie in der voranschreitenden Dunkelheit nicht gesehen und sie atmeten erleichtert aus. Für Blim und Schnacks war der Spaß nun allerdings trotzdem vorbei. Die Fast-Begegnung mit ihrem Oberhaupt hatte sie daran erinnert, dass sie ohne Erlaubnis schon ziemlich lange hier draußen herumflogen. Sie beschlossen, sich auf den Heimweg zu machen. An den Händen haltend hielten sie Ausschau nach ihrem Zuhause, konnten es aber nicht mehr entdecken, in welche Richtung sie auch blickten. Wie weit hatten sie sich denn davon entfernt? Wie lange genau flogen sie eigentlich schon hier oben? Was, wenn sie nicht mehr nach Hause fanden? Oder abstürzten? Allmählich bekamen sie es wirklich mit der Angst zu tun.

Der Weihnachtsmann kam aus dieser Richtung. Lass uns dort hin., zeigte Blim mit seinem Zeigefinger in die ungefähre Richtung.

Bist du sicher?, erwiderte Schnacks, der die Orientierung völlig verloren hatte.

Nein.. ganz sicher bin ich nicht, gab Blim zu. Aber es ist immer noch besser, als untätig zu bleiben.

Da musste Schnacks ihm Recht geben und so machten sich die Elflinge auf den Weg zurück, die Arme breit von sich ausgestreckt und mit den Beinen wedelnd wie beim Schwimmen. Und tatsächlich kam schon etwas später hinter einer Gruppe höhergelegener Kiefern das Haus in Sicht. Sie erkannten es an dem goldgelben Licht, das aus den Fenstern hinaus in die Dunkelheit schien. Ganz schwach erkennbar zunächst, aber heller werdend, je weiter sie darauf zuflogen. Sie konnten nur hoffen, dass die Wirkung des Flugpulvers nicht vorher schon nachließ, bevor sie ihr Heim sicher erreichten.

Zu allem Überfluss begann es nun auch noch zu schneien. An dicke Kleidung hatten sie nicht gedacht als sie losgeflogen waren. Sie trugen die Kluft, die bei allen Nordpolelfen üblich war: Eine rote Tunika, die bis zur Hälfte ihrer Pos reichte, darüber eine tannengrüne Weste mit kleinen roten Punkten und einen Gürtel. Im gleichen grünen Farbton wie die Weste eine Kniebundhose und unterhalb der Knie lugten lange, grün-rot gestreifte Strümpfe hervor. Ihre Füße steckten in grünen Schuhen, bei denen sich die Spitzen nach oben ringelten. Auf dem Kopf eine grün-rote Mütze mit einem Zipfel, die ihre spitzen Ohren nicht verdeckte. Also alles nicht gerade für einen Ausflug in die winterliche Landschaft geeignet. Von dem aufregenden Gefühl, wie ein Vogel in der Luft zu sein und vom ganzen Herumtollen, war ihnen jedoch die ganze Zeit über warm genug gewesen. Jetzt aber, besorgt und mit von den Schneeflocken immer nasser werdenden Anziehsachen, froren sie bitterlich dort droben.

Ob schon aufgefallen ist, dass wir fehlen?, überlegte Blim laut und seine Zähne klapperten beim Reden.

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In der Tat war Stallmeister Drubbel die Abwesenheit seiner beiden jungen Helferlein nicht entgangen. Zunächst dachte er sich nicht viel dabei. Die Jungen hatten gute Arbeit geleistet und machten jetzt gewiss nur eine Pause. Je mehr Zeit verstrich, desto seltsamer kam ihm das lange Fehlen aber vor. Wenn ich die beiden faulenzend und schlafend im Stroh erwische, werde ich ihnen eine Standpauke halten, dachte der ältliche Elf ärgerlich. Zeit zum Suchen hatte er im Augenblick jedoch kaum; es galt nun erst einmal, den Weihnachtsmann auf seinem Schlitten in die Lüfte zu bekommen. Dazu reichten er und andere Stallelfen den Rentieren das mit Flugpulver vermengte Futter. Die Tiere kannten das Prozedere sehr gut und scharrten energiegeladen und voller Tatendrang mit den Hufen.

Der Countdown wurde heruntergezählt, das Startsignal ertönte und die Rentiere setzten sich in Bewegung. Hohohoo!, machte der Weihnachtsmann fröhlich und ließ die Zügel schnalzen. Der Schlitten schoss die Rampe hinauf und schon war er in der Luft. Der Weihnachtsmann winkte und die Elfen jubelten und schwangen ihre Mützen. Meister Drubbel hielt nach Schnacks und Blim Ausschau. Gewiss hatten sie den Start nicht verpassen wollen? Doch er konnte sie nicht entdecken. Beim Weiterarbeiten fragte er andere Elfen, ob sie die beiden gesehen hatten, was jeder verneinte. Allmählich wurde der Meister unruhig. Die Jungelfen waren wie vom Erdboden verschluckt.

Auf der Suche nach ihnen führte ihn sein Weg schließlich heraus aus dem Stall. Da wo der Schnee begann, entdeckte er Fußspuren. Vornean ein Gewirr zahlreicher Füße unterschiedlicher Größen, doch zwei kleinere Paar führten eindeutig auf die Weide hinter dem Stall. Er folgte den Fußstapfen und kam schließlich vor dem zurückgelassenen Beutel mit dem winzigen Rest Flugpulver zum Stehen. Als ob ihm nicht schon auf Anhieb klar war, um welches Pulver es sich handelte, nahm er doch ein wenig davon zwischen Daumen und Zeigefinger und hielt es prüfend vor sein Gesicht.

Diese Lausejungen! Die werden doch nicht...! Aber die Worte verebbten ungesagt in seinem Hals, denn es wurde ihm klar, dass die beiden Elflinge anscheinend genau das getan hatten, was er vermutete. Im Nu hastete er zum Stall zurück.

Helft mir rasch die Pferde anzuspannen! Blim und Schnacks sind verschwunden. Ich werde sie suchen!

Die Stallelfen kamen der Aufforderung des Meisters sofort nach. Im Handumdrehen befand sich Meister Drubbel auf den verschneiten Waldwegen. Drei Pferde zogen den Schlitten; ihr warmer Atem bildete weiße Wolken vor ihren Schnauzen. Der Elf trieb sie zur Eile an, so gut es eben ging. Mit einem Fernglas hielt er Ausschau nach den Flugobjekten in Jungelfenform. Den ganzen Himmel über sich suchte er ab und murmelte dabei besorgt und ärgerlich zugleich vor sich hin. In der Dunkelheit und im wilden Schneetreiben war es gar nicht so einfach, überhaupt etwas am Himmel auszumachen. Nicht, dass die Jungen bereits abgestürzt waren und nun irgendwo tief in den Wäldern verletzt und unfähig zum Gehen waren. Oder Schlimmeres.

Eine Schnapsidee, auf die die beiden da gekommen waren! Ohne Einweisung, ohne Vorkenntnisse im Fliegen und ohne das Treffen von Sicherheitsvorkehrungen sich einfach in die Lüfte zu erheben! Das war eine ernste und gefährliche Sache. Und wenn sie denn heile herunterkamen, landeten sie mitten in der Wildnis. Diese Elflinge waren doch noch ganz grün hinter den Ohren und kannten die Wälder noch nicht so gut. Und Essen hatten sie auch keines.

Sieh mal, ein Licht da unten!, rief Schnacks und deutete auf seine Entdeckung.
Es bewegt sich, stellte Blim fest. Ein Schlitten vielleicht?

Mit Strampeln in der Luft hielten sie nun Kurs auf das Licht und schrien aus Leibeskräften:
Heeeee! Heda! Hier oben! Hilfe!

Der Meister hielt den Schlitten an und spitzte die Ohren. Ihm war, als hätte er etwas gehört. Da war es wieder! Leise zwar, aber eindeutig kein normales Waldgeräusch. Ein Rufen! Er lauschte angestrengt. Ja, das waren doch eindeutig Stimmen! Er richtete das Fernglas in die Richtung, aus der die Rufe kamen und endlich, nach einiger Sucherei, sah er die beiden Elflinge endlich. Zwei dunkle Gestalten, die sich von den tanzenden Schneeflocken um sie herum abhoben. Erleichterung machte sich bei allen drei breit. Doch nun standen sie noch vor dem Problem, dass Schnacks und Blim immer noch in der Luft hingen und Meister Drubbel unten auf der Erde war. Und bestimmt wollte der ältere Elf nicht warten, bis die Jungen von allein herunterkamen und sich womöglich noch den Hals dabei brachen.

Beugt euch ganz langsam mit dem Oberkörper nach vorn! Langsam! Nicht ruckartig!, rief er so laut er konnte den beiden Elflingen zu, dirigierte sie, gab ihnen Anweisungen. Blim und Schnacks versuchten ihr Bestes, doch waren sie einfach nicht geübt im Landen, wackelten und ruckelten stark bei den Versuchen, die Worte vom Meister umzusetzen. Immerhin schafften sie es jedoch, ein gutes Stück tiefer zu sinken und ihr Gleichgewicht wiederzufinden. Dabei halfen sich die beiden Freunde gegenseitig. Derweil war der Meister auf die Ladefläche gestiegen, auf der Suche nach irgendetwas, das hilfreich sein konnte. Tatsächlich fand er unter einer Plane Seile, mit der die Ladung auf dem Schlitten gesichert wurde. Er entwand eines dem Knäuel und kletterte damit von dem Gefährt.

Er befestigte das eine Ende am Schlitten, an einem metallenen Handgriff, der fest im Holz befestigt war und als Einstieghilfe diente. An das andere Ende knotete er einen schweren Ast, damit es mehr Gewicht bekam, und warf es hoch in die Luft.

Fangt es auf, dann kann ich euch daran herunterziehen!, rief Meister Drubbel und die Jungelfen gaben sich alle Mühe. Dennoch brauchte es viele Versuche, aber dann erreichte Blim es endlich ganz knapp und bevor es seinen taubgefrorenen Fingern wieder entschlüpfen konnte, griff er noch einmal nach. Sogleich stieß Schnacks einen Jubelschrei aus und packte das Holzstück auch ganz fest. Nun konnte der Meister – Hauruck! – die Jungelfen zurück zu sich und auf die Erde ziehen. Kaum hatte er dies geschafft, knotete er das Seil schnell um ihre Taillen.

Dann fielen sich alle drei zutiefst erleichtert in die Arme. Ganz fest drückten die Elflinge ihren Meister und der Meister war froh, die Jungelfen unversehrt wieder bei sich zu haben.

Danke, Meister. Wir hatten Angst, dass wir abstürzen würden.
Ja, und dass wir vielleicht nicht mehr nach Hause finden.

Jetzt ist ja alles wieder gut, sagte Meister Drubbel. Seid ihr in Ordnung? Seid ihr verletzt?

Nein, mit uns ist nichts, antwortete Schnacks, wir frieren bloß sehr. Der Schnee hat uns durchnässt.
Und wie auf Kommando klapperten seine Zähne. Ja,