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Fröhliche Weihnachten 2017
Bei einer Kanne Tee

by Avari

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Copyright on this story text belongs at all times to the original author only, whether stated explicitly in the text or not. The original date of posting to the MMSA was: 13 Dec 2017


Ich wünsche den Lesern eine Frohe Weihnachtszeit und ein schönes Fest!

Kleine Warnung: Das Wort Weihnachten sucht man in der Geschichte hier vergeblich ;)

* * *

Draußen ist es ungemütlich, kalt und nass. So schön die riesige Stadt Gareth auch ist, im Spätherbst ist sie echt eklig. Der Schnee der fällt wird schnell zu grauem, dreckigen Matsch getrampelt und man muss auf den Hintern achtgeben, sonst friert er ab. Zum Glück sind wir nicht mehr draußen, sondern gerade bei Geron angekommen. Der Fuchs und ich schütteln unsere nassen Umhänge aus und hängen sie zum trocknen über Hocker am Feuer. Geron hat angekündigt Tee zu kochen, wir sollen es uns derweil in den Sesseln am Kamin gemütlich machen. Es riecht angenehm, ein wenig rauchig nach brennendem Holz im Kamin, ein bisschen Pfeifenrauch und Räucherwerk, das Geron gelegentlich anzündet. Und nach Tee, seiner großen Leidenschaft.

Ich mag ihn sehr gern und freue mich jedes Mal, wenn wir seine Zuflucht aufsuchen. Auch bei meinem Lehrmeister, dem Fuchs, stelle ich jedes Mal einen zufriedenen Gesichtsausdruck fest, wenn wir hier sind. Geron hat einen Sinn fürs Bequeme und Gemütliche. Es liegen Teppiche und Kissen herum und für Licht sorgen zahlreiche Öllämpchen und Kerzen, teilweise in bunten Laternen. Die Möbel sind zusammengewürfelt von seinen zahlreichen Reisen über den ganzen Kontinent und ich entdecke immer mal wieder etwas Neues, Interessantes in den Regalen.

Er kommt zurück ins Wohnzimmer, auf einem polierten Metalltablett mit feinen Gravuren steht eine große Teekanne ebenfalls aus Metall. Die Teebecher sind aus Glas. Ich will mir gar nicht vorstellen, was die gekostet haben! Oder wie auch immer er da ran gekommen ist. Außerdem befindet sich noch eine passende Dose mit braunen, süßen Zuckerkrümeln drauf. Auf die hab ich es abgesehen.

Fuchs, mein alter Freund. Einen Schluck Zwillingsrum aus Maraskan in deinen Tee? fragt Geron und greift schon lächelnd nach der bauchigen Flasche mit dem hochprozentigen Inhalt.

Sehr gern, danke. Das Wetter draußen macht es schon fast erforderlich, dass du deinen Besten rausrückst. erwiedert Fuchs grinsend, streckt sich vollkommen selbstverständlich und legt die Beine hoch. Sie gehen so vertraut miteinander um und Fuchs ist entspannt, wie sonst nirgendwo.

Ich schau die beiden Männer an, die äußerlich so verschieden sind. Geron mit seinen langen, dunklen Haaren. Ich werde mir nie ganz einig, ob sie nun schwarz sind, oder ganz ganz dunkelgrau. Sein linkes Auge leuchtet tiefgrün, scheint alles im Blick zu haben und ist stets wachsam. Das rechte Auge ist milchig und eine lange Narbe läuft von der Wange darüber bis zur Stirn. Sie teilt sogar die Augenbraue. Der Schnitt, der sie verursacht hat, muss sehr tief gewesen sein. Ansonsten hat Geron ein schönes Gesicht, finde ich. Eine gerade, lange Nase und ein schmales, aber markantes Kinn. Seine Haut ist sehr hell, gar nicht wie von den Tulamiden, die sonnenbraune Haut haben. Dafür zieht er ihre Kleidung an, fließender, weicher Stoff. Seine Weste ist mit Perlen bestickt. In den Ohren trägt er Silberschmuck. Ein bisschen rundlich, ist er wohl auch geworden. Zumindest hat das Fuchs mal schmunzelnd erwähnt. Geron hat es geschafft und ist in seinem Beruf wohlhabend geworden. Er geht nicht mehr selbst auf Beutezüge, sondern verkauft, was ihm die Mitglieder der Organisation bringen.

Fuchs achtet hingegen immer auf praktische, unauffällige Kleidung und trägt nie irgendwelchen Schmuck. Die Haare sind viel kürzer und von so roter Farbe wie das Fell eines Fuchses. Seine Augen sind blau und blitzen manchmal wie Eis, wenn er wütend ist. Oder sie leuchten wie das Meer wenn er gute Laune hat und lacht. Er ist ziemlich schmal gebaut, schnell, athletisch und seine Hände haben wortwörtlich lange Finger. Im Sommer hat er Sommersprossen, jetzt im Herbst, zum Winter hin werden es immer weniger. Geron ist auch viel älter, genau weiß ich es nicht, aber zehn Jahre werden es schon sein, denke ich. Fuchs ist jetzt mitte Zwanzig, also wird Geron so mitte Dreißig sein, schätze ich. Ich selbst bin in vor einer Weile zwölf Götterläufe alt geworden.

Und Kleiner, alles gut? Behandelt dich der Fuchs ordentlich? fragt er mich lachend. Wenn nicht kommst du zu mir! Dann nehm ich ihn mir mal zur Brust!

Von meinem Meister kommt ein halb abfälliges, halb belustigtes Schnauben.

Ja, mir geht es prima. Ich bin jetzt schon seit mehr als einem Jahr von zu Hause fort, aber ich bereue nicht, mit dem Fuchs gegangen zu sein. Er ist ein freundlicher Mensch und ich habe es gut bei ihm. Besser als in meiner Heimat denke ich.

Schön zu hören. Magst du Zucker in deinen Tee? fragt er, schon nach der Zuckerdose greifend. Er kennt die Antwort auf die Frage, genau wie er sie beim Fuchs gekannt hat. Und bevor ich antworte reicht er mir augenzwinkernd den Becher mit Tee und die Zuckerdose.

Schließlich schenkt er auch sich selbst ein und fügt ebenfalls einen Schluck Rum hinzu. Wir sitzen zusammen. Ich höre dem zu, was sie sich erzählen. Zunächst sind es Neuigkeiten aus der Stadt. Dann kommen sie auf alte Geschichten zu sprechen und ich spitze interessiert die Ohren, während ich hin und wieder ein Stück Zucker aus der Dose klaue. Die Beiden reden über vergangene Abenteuer, trinken noch ein wenig, werden heiter. Es geht mal darüber, wie Fuchs mit der Aussteuer einer reichen Kaufmannstochter durchgebrannt ist, oder Geron sich als alte Frau verkleidet hat um dem Wachmann eines Lagerhauses den Schlüssel zu selbigem zu entwenden. Wie sie zusammen einmal nur knapp und durch mehr Glück als Verstand der Stadtwache entkommen sind indem sie tollkühn auf eine fahrende Kutsche sprangen.

Für normale Leute mit Sicherheit keine Heldentaten, sondern Verbrechen. Zumindest, wenn sie selbst die Geschädigten sind. Andererseits sind Geschichten über geschickte Diebe in den Tavernen sehr beliebt: Wie Calaman der Zwerg den Drachen Pyrdacor bestiehlt oder Talimee Nebelstern, die berühmte Meisterdiebin und Halbelfe, den reichen Machthabern immer wieder ein Schnippchen schlägt. Da werden sie bejubelt und geschätzt, die Leute, die dem Handwerk des Gottes Phex nachgehen.

Dabei ist es oft gefährlich und nicht wenige von den Dieben und Einbrechern beenden ihr Leben am Galgen wenn sie erwischt werden. Eigentlich müsste man sich fragen, warum überhaupt jemand diesem... Handwerk nachgeht. Manchmal bleibt einem keine Wahl, aber warum ist zum Beispiel Fuchs geworden, was er geworden ist? Er ist gebildet, kann sogar lesen. Ich glaube nicht, das er gezwungen war die Laufbahn eines Diebes einzuschlagen. Vielleicht weiß Geron ja auch was darüber, also beschließe ich jetzt nachzufragen, wo die Beiden offensichtlich gerade in Redelaune sind.

Sagt mal, Fuchs, warum seid ihr eigentlich Dieb geworden? Wie kam es dazu? frage ich neugierig.

Offensichtlich überrasche ich meinen Meister mit damit. Er richtet sich im Sessel auf und schaut mich an.

Wie kommst du denn jetzt darauf, Kleiner? Ich bin es schon gewohnt, dass er mich nicht bei meinem Namen nennt. Niemandes Namen lautet so, wie er genannt wird. Eigentlich ist mein Name Rob. Wenn Leute über mich reden nennen sie mich aber nur den Kleinen vom Fuchs. Allerdings weiß ich auch gar nicht, welche Namen Fuchs oder Geron wirklich haben. Danach muss ich wohl ein andernmal fragen.

Na irgendwann müsst ihr euch doch dazu entschieden haben und ich wüsste gern warum. erwidere ich schulterzuckend.

Hmn. So richtig entschieden habe ich mich nicht dazu, weißt du. Ich wollte damals nur bei dem Mann bleiben, der mich vor einer grässlichen Zukunft gerettet hat. Und ich blieb an ihm dran, wie eine Klette, bis er eingesehen hat, dass er mich nicht mehr los wird. schloss Fuchs grinsend.

Oh ja, wie viel Ärger hätte ich mir damals ersparen können... seufzt Geron theatralisch.

Na jetzt müssen sie mir die Geschichte schon erzählen und ich fordere sie mit neugierigen Blicken dazu auf. Fuchs überlegt kurz, seufzt ein bisschen und beginnt dann zu erzählen. Geron lehnt sich mit einem feinen Lächeln auf den Lippen in seinem Sessel zurück.

Es begab sich damals zu der Zeit, als Kaiser Hal im Elften Jahr regierte, dass ich im Winter von meinem Vater das Gebot erhielt, ab der Wintersonnenwende in den Tempeldienst des Herrn Praios einzutreten. begann er ironisch, indem er den Stil alter Geschichten und Märchen nachahmte.

Das Jahr, das er meinte, war aber nur etwas über zehn Götterläufe her. Fuchs und der Herr Praios? Das war so unwahscheinlich und so gegensätzlich wie Tag und Nacht. Praois ist als Gott der Sonne, des Rechts und der Ordnung ist so ziemlich genau das Gegenteil zum Herrn Phex, dem Hüter der Sterne und dem Schutzgott der Diebe.

Mein Vater war ein Wächter des Tempels, ein Ritter des Herrn Praios musst du wissen. Ich habe mich nie gut mit ihm verstanden, wir waren zu unterschiedlich. Er war verdammt streng mit mir und wollte mich immer in eine Form pressen, in die ich nicht passte. Schulunterricht, Kampfübungen und ein gut versorgtes Leben als Sohn eines Ritters gut und schön, aber ich wollte auf gar keinen Fall in die Dienste des Gottes treten, dem sich mein Vater mit Leib und Seele verschrieben hat. Diese Vorstellung vom noch einengenderen Leben hinter Tempelmauern, die ganze Zeit strengen Geboten unterworfen, das kam mir schlimmer vor, als die Niederhöllen. Fuchs verzieht kurz bitter das Gesicht und gießt sich Tee nach, bevor er weiter erzählt.

Die Zeit der Wintersonnenwende ist eigentlich eine Festzeit. Die Menschen feiern mit Feuern und Lichtern, Tanz, Musik und heißem Würzwein, dass die Tage wieder länger werden. In Trallop wo ich herkomme, am Neunaugensee oben im Norden des Mittelreiches, hat sie noch mehr Bedeutung, weil die Winter besonders lang sind. Als meine Mutter noch lebte waren wir auch auf den Festplätzen in der Stadt, überall Marktbuden, Lichter und Feuer. Als sie dann starb, starb auch das Interesse meines Vaters zu den Feierlichkeiten zu gehen und wir waren von früh bis spät im Tempel zu den Gottesdiensten. Dass die Tage wieder länger werden, feiern nämlich natürlich auch die Anhänger des Sonnengottes: mit brechend langweiligen, langwierigen Gebeten und Gesängen... Der Fuchs unterbricht sich kurz für eine entsprechende Grimasse.

Ich habe es gehasst dorthin zu gehen, aber die kommende Wintersonnenwende sollte wohl noch schlimmer werden. Nein, nicht mit mir! entschied ich. Lieber lauf ich von zu Hause fort und heuer bei einem der Schiffer des Sees an, oder zieh durchs Land als mein restliches Leben im Tempeldienst zu verbringen. Vater durfte mich nur nicht wieder einfangen, denn sonst würde er mir nicht nur das Fell so gründlich gerben, dass mir hören und sehen verging sondern mich vermutlich einsperren bis es soweit war. Ein paar Tage vor dem Beginn der Feierlichkeiten hab ich mir dann einfach einen Beutel gepackt mit ein bisschen Essen und ein paar Habseligkeiten, die mir teuer waren und bin abgehauen.

Mein Lehrmeister grinst kurz geheimniskrämerisch, bevor er fortfährt: Der erste Tag war wunderbar, ich habe mich nie unbeschwerter Gefühlt. Als dann aber die Nacht herein brach, wusste ich nicht wohin. Ich konnte ohne Geld als junger Bengel ja auch nicht einfach in ein Gasthaus gehen. Und irgendwer Fremdes würde mich nicht in sein warmes Haus aufnehmen. Die Nacht hab ich dann im Eingang eines Hauses, ziemlich lausig bibbernd verbracht. Die Schiffer im Hafen der Stadt konnten mich am nächsten Tag auch nicht gebrauchen und haben mich mürrisch abgewiesen. Mir kam zudem jede Stadtwache so vor, als hielte sie nach mir Ausschau. Bestimmt hatte mein Vater sie alarmiert. Als ich dann einen Ausrufer auf dem Marktplatz hörte, der mich beschrieb, hatte ich Gewissheit. Meine Lage war ziemlich Scheiße. Also ging ich in die Gegend der Stadt, die man mir immer verboten hatte. Die wo Halsabschneider und Hafenarbeiter, Huren und Tagelöhner lebten. Ich hab entsetzlich gefroren in dem Schneematsch auf den Straßen und meine Stiefel waren klatschnass. Außerdem war ich hungrig, mein bisschen Essen hatte ich verputzt. Ich bin in eine der Tavernen gegangen, wollte den Wirt fragen, ob ich mich wenigstens kurz aufwärmen darf. Er hat mich stirnrunzelnd gemustert, meine Kleidung und mein Alter entsprachen wohl nicht dem Durchschnitt.Aber ich dachte er wäre freundlich, denn ich durfte nicht nur bleiben, sondern er gab mir auch einen Becher heißen Wein.

Der Sack wollte nur die Belohnung für mich kassieren. Denn kurz darauf kam Arnulf zu Tür rein, einer der Reitknechte meines Vaters. Ein ziemlich riesiger Kerl für mich damals und vermutlich heute noch. Und ich mochte ihn nicht, er war grob und jähzornig. Und er entdeckte mich unverzüglich. Knurrte ich solle mit nach Hause kommen und mich schonmal drauf freuen, was mich erwartete. Er grinste mit Vorfreude, mochte es immer, wenn mein Vater zu Stock oder Riemen griff um mich zu bestrafen. Ja ich wusste nur zu gut, was mein Vater mit mir machen würde. Ich hab mich gewehrt, wie es mir nur möglich war. Keiner der Leute in der Taverne schien sich dafür zu interessieren. Ich kratzte, biss und trat diesen verfluchten Mistkerl, aber mehr wesentlich mehr Effekt als ein Kätzchen erzielte ich damit nicht. Schließlich wurde es ihm zu blöd, sich mit mir rumzuschlagen.

Er brummte nur: Fein, dann gibt’s jetzt eben schonmal n Vorgeschmack drauf, was dein Vater mit dir machen wird. Anschließend kommst du mit, das versprech ich dir! Und zack lag ich über dem Tresen. Und Arnulf verdrosch mir mit seiner Pranke den Arsch nach Strich und Faden. Ich wehrte mich, zappelte herum und versuchte fort zu kommen, aber alles vergeblich. Der schlug einfach weiter zu und ich begann zu jaulen. Doch er war unerbittlich und unbeeindruckt. Kalt war mir in jedem Fall nicht mehr, mein Hintern hätte als Kamin dienen können. Es tat scheiße weh, aber was wirklich weh tat war die Erkenntnis das meine Flucht gescheitert war. Ich hatte es vermasselt, der würde mich nach Hause schleifen und ich würde im Tempel landen. Davon wurde ich verzweifelt und wehrte mich nicht mehr. Er hat schließlich aufgehört und mich gefragt, ob ich nun mitkäme. Ich nickte nur, Rotz und Wasser heulend über mein Schicksal. Und dann dachte ich mir, wenn ich jetzt aufgebe, hab ich verloren. Gerade denkt er, er hat mich. Vielleicht war diese Unaufmerksamkeit mein Verbündeter und ich konnte ihm entschlüpfen.

Tja und nun Kleiner, muss ich dir sagen, dass diesmal nicht dein Lehrmeister der Held der Geschichte ist, sondern Geron. Denn das mit dem Entschlüpfen ging in die Hose, das Einzige was ich damit erreichte war, das Arnulf nun richtig sauer wurde. Und er hätte mich wahrscheinlich bewusstlos geschlagen und mich wie einen Getreidesack über der Schulter nach Hause geschleppt. Mein Vater hätte ihm vermutlich nicht mal einen Vorwurf gemacht.
schließt der Fuchs seine lange Erzählung mit bitterem Unterton.

Und jetzt kannst du uns ja aufklären, warum du mir überhaupt zu Hilfe gekommen bist. Denn da hab ich diesen Mann hier zum ersten mal gesehen, dürr und mit lumpiger, zerschlissener Kleidung, schmutzigen Haaren aber beeindruckend freundlichen, grünen Augen. meint der Fuchs und sieht zu meiner Überraschung auch neugierig aus. Er lehnt sich im Sessel nach vorn und stützt seine Arme auf die Knie.

Geron sitzt immer noch entspannt im Sessel, lächelt und