New MMSA spank logo

Das Familienerbstück
Teil 1 – Nur ein Stück Holz?

by Beelzebub

Go to the contents page for this series.

Copyright on this story text belongs at all times to the original author only, whether stated explicitly in the text or not. The original date of posting to the MMSA was: 11 Feb 2018


Das Familienerbstück

 

Die Geschichte spielt im Jahr 1970

Zum besseren Verständnis hier die beteiligten Familienmitglieder:

Uroma 80 Jahre alt.

Oma Annegret 60 J. und Opa Erwin (verstorben)

Die fünf Geschwister:
Erika 40 J. verh. mit Wowka 41 J
Sohn Kai 16

Paul, 39 J.
Sohn: Julian 15

Gustav 38 J.

Sigrid 37 J. verh. mit Sascha 40 J.

Kurt 36 J.
Kinder: Melanie 16, Marianne 15, Michael 14,

 

1. Nur ein Stück Holz?

 

So, so Oma hat euch die Waschküche gezeigt.
Vater holte seine drei Kinder Melanie, Marianne, und Michael, von dem Aufenthalt bei seiner Mutter ab. Er schmunzelte in nostalgischer Erinnerung.
Ja, und sie hat uns das Paddle mitgegeben, mit dem ihr von Opa bestraft wurdet.
Bremsen quietschen. Die drei Kinder werden gegen die Vordersitze gepresst.
Vater, was ist? fragen sie erschrocken wegen der unerwarteten Vollbremsung. Der Mann hält das Auto am Straßenrand und steigt aus.
Zeigt mal das Paddle.
Verwirrt steigen die Geschwister aus. Das Paddle zeichnet sich deutlich im Koffer ab. Melanie öffnet ihn und holt das braune, abgenutzte Holzstück hervor. Der Griff ist mit Lederband umwickelt, schwarz und speckig vom häufigen Gebrauch. Zwecklos und schmutzig liegt es in der Hand des Mannes. Er wiegt es ehrfurchtsvoll und schaut seinem Nachwuchs tiefgründig in die Augen.
Angst, Schmerz, Trauer und Nostalgie zeigt sein Gesichtsausdruck. Die Kinder staunen über Vaters überraschende und heftige Reaktion.
Ehrfürchtig schwingt er es durch die Luft, als wolle er ausprobieren, ob es denn noch funktioniere.

Es hat seine furchteinflößende Wirkung verloren, weckt aber schmerzhafte lebhafte Erinnerungen bei dem Mann.

Ernsthaft schaut er Michael an, seinen schlacksigen Sohn mit den viel zu langen Haaren, die ihm bis auf die Schulter reichen und vor die Augen fallen. Als hätte er einen Tick, wirft er ständig den Kopf zur Seite, um die Augen frei zu bekommen.

Junge, lies das! fordert der Vater streng mit freundlichem Grinsen und einer gewissen Genugtuung. Erstaunt, ein wenig eingeschüchtert von dem ungewohnt rigorosem Ton, liest Michael auf dem Paddle:

Du sollst Vater und Mutter ehren. Fragend schaut der Junge seinen Erzeuger an. Der nickt ihm zu. Michael kann den ungewohnt angriffslustigen Ausdruck in Vaters Augen nicht übersehen:

Ja, Junge, das ist das vierte Gebot, wie du sicher weißt. Das wurde in unserer Familie hoch gehalten. Ich finde das war und ist eine gute Tradition.

Michael wird unsicher. Was meint sein Vater? Er spricht in Rätseln.

Der Mann dreht und wendet das verwitterte Stück Holz und begutachtet es sorgfältig.

Dass Oma euch das Paddle mitgegeben hat, bedeutet, sie will es an die nächste Generation weitergeben. Eigentlich schon ein bissl spät, aber naja, noch nicht zu spät.

Er mustert seinen Sohn seltsam und lächelt.

Michael, ja, es wird Zeit. Höchste Zeit, an alte Gewohnheiten, Sitten und Gebräuche anzuknüpfen.

Gedankenverloren streicht er dem Vierzehnjährigen liebevoll über die blonde Mähne. Michael wird rot. Was hat sein Vater denn bloß. Er, Michael hat doch nichts angestellt und Körperstrafen galten in der Familie als verpönt. Schließlich lebten sie im Jahr 1970, wo gerade die freie Erziehung gepredigt wurde und die Hippiebewegung, lange Haare, Irokesenschnitt und bunte Kleider der Flower-Power-Bewegung die Jugendlichen prägte.

Sein Vater zeigte ihm das alte Paddle, mit dem er vor dreißig Jahren bestraft wurde mit solch einer Ehrfurcht, als wollte er das Stück Holz anbeten. Er verstand ihn gerade überhaupt nicht. Hilflos zuckte er mit den Schultern und sah zu Boden.

Der Mann schmunzelte ihn an:

Ich war grad dreizehn, als ich Bekanntschaft mit dem Freudenspender machen durfte. Er kicherte kumpelhaft.

Lies mal auf der Rückseite.

Michael las die stark verdreckte in altdeutschen Buchstaben eingebrannte Inschrift: In dir ist Freude, in allem Leide!

Der Mann kicherte: Verstehst du? Deshalb Freudenspender. Michael, es wird Zeit, dass du und ihr meine Mädchen natürlich auch, mehr aus meiner Jugendzeit erfahrt.

Michael, ich möchte, dass du dieses Stück herrichtest, dass es zu Uromas Geburtstag wie neu aussieht. Du wirst es abschleifen, die Inschriften nachmalen und dann das ganze Stück sorgfältig lackieren. Du hast drei Wochen Zeit, dann zeigst du es mir. Am besten auch schon, bevor du es lackierst. Damit ich es prüfen kann. Michael, dieses Paddle ist ein Stück Familiengeschichte. Du, wir alle, müssen es hoch achten. Bitte arbeite sorgfältig.

Er legte dem Jungen, der nicht wusste, was ihm geschah, das Holz in die offenen Arme, als wäre es das wertvollste Stück, das er besaß.

Feierlich sah er den Vierzehnjährigen an: Michael, ich verlasse mich auf dich.

 

2. Familientreffen

 

Da saßen sie nun in ihrem Elternhaus aus Anlass des 80. Geburtstages ihrer Großmutter. Fröhlich quatschten sie miteinander.

Fünf Geschwister, alle knapp unter 40 Jahre alt, mit ihren Partnern und Kindern, vier Jungen und sechs Mädchen, deren Oma und die 80 jährige Uroma.

Sie drängen sich gemütlich im großen Wohnraum ihres Elternhauses zusammen, schwatzen, lachen und schwelgen in Erinnerungen. Sie haben sich so viel zu erzählen! Die Jugendlichen sitzen in der Mitte auf dem Boden, kauen Chips, nippen an der Cola und hören aufmerksam zu.

Ich hab eine Überraschung für euch, tat Kurt, der Jüngste von ihnen geheimnisvoll.

Michael, geh und hol es.

Er warf ihm den Autoschlüssel zu.

Erstaunt sah die Runde den Mann an.

Eine Überraschung für uns? Deine Großmutter wird 80 und hat doch schon ihre Glückwünsche und Geschenke bekommen. Was kann das denn sein?

Ihr werdet schon sehen, zwinkerte Kurt schelmisch.

Michael überreichte seinem Vater das seltsame Paket. Der stellte sich in die Mitte des Raumes und entfernte das Packpapier. Ein Raunen ging durch den Raum.

Der Freudenspender!

Oh, nein, das furchtbare Paddle, stöhnten die zwei Brüder und seine zwei Schwestern, als sie sahen, was ihr Bruder stolz in die Höhe hielt.

Ja, unser Erziehungshelfer. Mutter hatte ihn vor vier Wochen Michael mitgegeben. Hier ist er nun frisch renoviert und, er lächelte verschmitzt, einsatzbereit.

Er haute locker in die Luft, in Sitzflächenhöhe.

Die fröhliche Stimmung bekam einen empfindlichen Dämpfer.

Zeig mal, bat sein ältester Bruder Paul sichtlich bewegt. Kurt reichte ihm das Paddle. Gustav rutschte dicht an Paul heran. Sorgfältig und ehrfurchtsvoll begutachteten sie das Stück. Die lebhaften Gespräche verstummten. Alle starrten auf dieses Stück Holz, das Michael mit Hilfe seines Vaters renoviert hatte, dass es wie neu erstrahlte.

Handgearbeitet, etwas größer als ein Tischtennisschläger, der Rand mit Girlanden sorgfältig frisch bemalt, die Inschriften neu eingebrannt.

Sie wogen es in der Hand, fuhren die Girlanden nach und begutachteten den Griff, um den ein frisches dunkelbraunes Lederband gewickelt war.

Zeig es mal Uroma, flüsterte Paul ehrfurchtsvoll und reichte es seinem neugierigen fünfzehnjährigen Sohn Julian.

Junge, das ist ja das Paddle, das Papa gemacht hat. Bist du denn fällig? Was hast du denn wieder angestellt? Mach dich fertig, lass Papa nicht warten! reagierte die alte Dame streng mit ihrer dünnen Stimme.

Julian bekam einen ordentlichen Schreck. Nur einige der unwissenden angeheirateten Angehörigen lachten.

Oma, Erwin ist doch schon lange tot. Und nein, Julian hat nichts angestellt. Du sollst nur sehen, wie schön Michael das Teil wieder hergerichtet hat, beruhigte Paul seinen Sohn.

Na, dann ist ja gut. Junge, hast du schön gemacht, streichelte sie Julian über die Hand und gab es ihm zurück.

Kinder ich bin müde, ich geh ins Bett. Das war ein anstrengender Tag für mich. Annegret kannst du mir helfen, bitte.

Ja Mutter.

Gute Nacht, verabschiedete sich die alte Dame.

 

3. Paul

 

Weißt du noch, begann Paul, als er das Paddle wieder in den Händen hielt. Mit 16 nach dem ersten Kuss. Ich schwebte noch auf Wolke sieben, dann kam ich in den dunklen Flur, dort stand er, das verfluchte Paddle in der Hand. Ihr wart alle längst im Bett. Er schubste mich ins Wohnzimmer, befahl mir mich ausziehen. Ich war völlig von der Rolle.

Für das Paddle gab es ein strenges Ritual, nämlich meistens sonntags vor der Kirche und man wusste, dass man fällig war. Nackt, mit steifer Rute, stand ich vor ihm und hörte mir seine Standpauke an. Brr, grässlich! Zu spät nach Haus gekommen. Vater war extra auf geblieben. Sonst haben wir ihn die Woche über nicht gesehen. Wer von euch hat ihm das mit Beate gesteckt?

Bevor er mich vermöbelt hat, hatte er mich ausgefragt. Wie weit wir gegangen wären. Dann hat er mich eindringlich gewarnt. Wie schnell könnte so ein unverantwortliches Flittchen mir ein Kind anhängen und meine Zukunft ruinieren. Dann kam der Satz: Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst, rührst du kein Mädchen an!

Anschließend hat er mich eindrücklich verhauen: Du sollst Vater und Mutter ehren. Au, tat das weh! Ein unschuldiger erster Kuss wurde mir so schmerzhaft versalzen.

Oh, Vater, wenn du noch lebtest, würden wir uns darüber noch mal unterhalten müssen.

Nachdenklich drehte Paul das Paddle in der Hand.

Er zog mich über die Knie und vom Leder. Jungs, ich kann euch sagen, da feiert der Arsch Hochzeit. Hat er mich rangenommen! Mein Geschrei müsste euch doch alle geweckt haben?

Fragend sah er seine Geschwister an. Niemand erwiderte seinen Blick, verschämt wie kleine Kinder sahen sie zu Boden.

Paul, es war doch richtig, dass wir Papa Bescheid gegeben haben, dass du diesem dummen Ding hinterher liefst. Wir haben so auf dich eingeredet, dass du die Finger von ihr lassen sollst, rechtfertigte sich Erika, seine ältere Schwester.

Wir haben’s doch nur gut gemeint, fügte sie murmelnd an.

Ja klar hast du uns mit deinem Gebrüll geweckt, oder hättest du, wenn wir schon geschlafen hätten. Aber dafür waren wir viel zu aufgeregt. Wir wollten wissen, wie Vater reagieren würde, sagte Gustav, der mittlere der Brüder.

Klar hast du uns leid getan, als wir hörten wie der Freudenspender auf deinem Po tanzte, mischte sich Sigrid ein, andererseits waren wir erleichtert, denn wir hofften, dass dich das zur Vernunft bringen würde.

Was für treusorgende Geschwister ich doch habe, brummte Paul und grinste sie der Reihe nach versöhnlich an.

Diese Tracht vergesse ich mein Lebtag nicht.

Dein Vater hat es nur gut gemeint, murmelte entschuldigend seine Mutter Annegret, die zurückgekommen war und ihren alten Platz im gemütlichen Ohrensessel eingenommen hatte.

 

4. Gustav

 

Das Paddle gab es nur bei besonders schweren Verfehlungen der Jungs, erklärte Sigrid den Jugendlichen.

Meistens am Sonntagvormittag vor dem Frühstück, damit sie für ihre Sünden bestraft, unbelastet am Gottesdienst teilnehmen konnten. Für die kleineren Verfehlungen zwischendurch gab es den Badetag.

Ach ja, der Badetag, unterbrach Gustav lächelnd, das war jede Woche wieder ein Erlebnis.

Lass mich erstmal weiter erzählen, dann darfst du Gustav, ja? nahm Sigrid den Faden wieder auf.

Sonnabends musste Vater nur halbe Tage im Bergwerk arbeiten und kam mittags nach Hause. Nachmittags mussten ihm dann die Jungs bei den größeren Arbeiten helfen, z B.: Den Zaun reparieren, den Garten umgraben, Hasen oder Hühner schlachten, Hühnerstall ausmisten. Na ja, es gab immer viel zu tun. So arbeiteten sie bis ungefähr eine Stunde vor Dunkelheit dann bereiteten sie den Badetag vor.

Sie sah in die Runde. Wenn ich was vergesse, dürft ihr mich gern unterbrechen.

Das Schlachten der Tiere musstest du jetzt nicht unbedingt erwähnen, reagierte Erika säuerlich.

Das konnte eure Tante überhaupt nicht leiden, wenn wir einen ihrer Lieblinge an den langen Löffeln aus dem Hasenstall holten. Dann lief sie heulend weg, neckte Gustav.

Sie hat nichts von dem Braten gegessen, sondern saß mit verheultem Gesicht am Festtagstisch.

Und hat uns den Appetit verdorben, ergänzten die anderen lachend.

Magst du immer noch keinen Kaninchenbraten essen? Mutter, wie hieß der Mümmelmann, den es morgen zu Mittag gibt?

Hör auf Kurt, sei nicht so gemein! ermahnte Paul.

Sigrid erzähl weiter, forderte Gustav.

Also zur Vorbereitung gehörte, dass ein Junge, den großen Waschzuber mit frischem Wasser aus der Pumpe füllte. Ein anderer feuerte ein und heizte das Wasser und der Dritte musste dünne Reiser von Birken oder Weiden besorgen. Mit diesen Aufgaben wechselten sich die Buben ab.

Ja, den Ofen einheizen machte am meisten Spaß.

Das Pumpen war ordentlich anstrengend, da kam man richtig ins Schwitzen.

Gab aber Muckis! Gustav grinste und fasste sich an den Bizeps.

Tja und das Schneiden der Ruten war eine hässliche Aufgabe und verantwortungsvoll. Es mussten genug sein und sie mussten widerstandsfähig sein, sagte Kurt ernsthaft. Wir losten jede Woche, wer welchen Job übernimmt.

Der Badetag war das Highlight der Woche für die ganze Familie, sagte Sigrid in wehmütiger Erinnerung und die anderen nickten zustimmend.

Und schmerzhaft, ergänzte Kurt.

Ach du. Du hast doch am wenigsten abbekommen! entgegnete Paul eifersüchtig.

Nee, wie kommst du darauf. Vater hat immer gut ausgeteilt. An uns allen dreien, wehrte sich Kurt.

Lasst Sigrid erstmal weiter erzählen, unterbrach Erika das Geplänkel der Brüder.

Sigrid lächelte.

Wir hatten damals zwar auch ein Badezimmer, aber wir waren insgesamt sieben Leute und wenn die alle dort gebadet hätten, hätte das ja den ganzen Tag gebraucht und viel zu viel Wasser und Feuerung. In der Waschküche ging das schneller und lustiger.

Wenn das Wasser halbwegs warm war, stiegen Erika und ich in das Wasser und genossen, wie es immer wärmer wurde. Besonders an kalten Tagen war das herrlich. Die Waschküche dampfte. Dann stiegen wir aus dem Zuber und wuschen uns, duschten uns kalt ab und rubbelten uns trocken. Kinder, war das schön! Sobald wir wieder bekleidet waren, ließen wir unsere drei Brüder herein. Die Hälfte des Wassers wurde abgelassen und mit frischem kaltem Wasser aufgefüllt, sonst wären die Jungs im heißen Wasser gekocht worden, kicherte Sigrid.

Der Pumper vom Dienst übernahm den Job. Dann stiegen alle drei in den Zuber. Erika und ich zogen Gummischürzen über, wie wir sie auch zum Wäschewaschen benutzten. Vater kam dann irgendwann dazu.

Sigrid, es ist Zeit, dass ich weiter erzähle, unterbrach Gustav.

Ja, mach du weiter, bestätigte Sigrid.

Ja, in dem Bottich, Jungs, das war, äh, ihr würdet heute sagen, richtig – geil. Der Mann errötete verschämt.

Einzelheiten kannst du weglassen, sagte Kurt bestimmt.

Ich hatte nicht vor, deutlicher zu werden, konterte Gustav.

Das Wasser im Zuber wurde immer noch wärmer und unsere Haut weichte allmählich auf. Wir losten, wer zuerst raus musste. Dann stieg der Verlierer hinaus und die Mädchen übernahmen und wuschen ihn von Kopf bis Fuß. Ja, auch als wir alt genug waren und es selbst hätten tun können. Es war Tradition, die Mädchen wollten es so, Mama und Papa wollten es so und, naja wir hatten uns daran gewöhnt